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Thema: Connichi 2010
das_Diddy

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Connichi 2010 03.09.2010 15:14 Forum: News & Events


Auch dieses Jahr haben wir wieder einen Stand auf der Connichi, der Manga- und Anime-Convention des Animexx e.V., die vom 10. bis zum 12. September in Kassel stattfindet!

Die Connichi ist die größte von Fans für Fans organisierte Messe zum Thema Manga und Anime. Neben Händler- und Ausstellerräumen gibt es ein breit gefächertes Angebot an zusätzlichen Attraktionen, wie z.B. Showauftritte von Tanzgruppen und Live-Bands, Film- und Videovorführungen nonstop und vieles mehr.
Vor allem aber kommen die Besucher wegen der zahlreichen Workshops, Wettbewerbe, Diskussionsrunden und weiteren Gelegenheiten, bei denen sie selbst aktiv dabei sein können.
Das „Tüpfelchen auf dem i“ sind die japanischen und deutschen Ehrengäste. In allen vorangegangen Jahren waren die wichtigsten Regisseure und Direktoren des weltberühmten japanischen Anime Studios GAINAX mit dabei – so etwas hat außer der Connichi weltweit nur noch eine einzige andere Veranstaltung in den USA geschafft!

Wir freuen uns auf Euren Besuch! Ihr findet unseren Stadt im Foyer links kurz vor der Treppe.

Thema: Vampire - Diverse
das_Diddy

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Vampire - Diverse 06.08.2010 15:46 Forum: Alben


von Stefan Pannor

Es wäre ein leichtes, diese zwei Alben zu verdammen, weil sie auf der aktuellen Welle der Blutsauger-Bestseller von „Twilight“ bis „True Blood“ mitschwimmen. Doppelt leicht, weil auch sie letztlich Nebeneffekt eines Medienphänomens sind: es handelt sich um die Umsetzung von insgesamt sechs Episoden einer französischen TV-Serie (die mWn nie in Deutschland gelaufen ist), die auf sechs Novellen basiert, die wiederum im Auftrag der TV-Produktionsfirma entstanden sind, in die grafische Form. Schon für dieses adaptive Chaos gehört irgendein Verantwortlicher gebissen.

Aber andererseits: Dave McKean („Sandman“) hat die Cover gestaltet. Unter den Zeichnern finden sich durchaus illustre Namen wie Steve Lieber („Whiteout“). Und wenn man dem redaktionellen Beiwerk trauen darf, dann hatten die Autoren und Zeichner der sechs Episoden ziemlich freie Hand und waren nicht verpflichtet, den Vorgaben aus Novelle bzw. fertiger Episode sklavisch zu folgen.

Am leichtesten lesen sich die sechs Episoden darum einfach als Anthologie zum titelgebenden Thema. Und wie bei fast jeder Anthologie ist das Ergebnis durchwachsen. Steve Liebers Episode aus dem Boxmillieu, die ihm viel Raum gibt, seine herausragenden anatomischen Kenntnisse darzustellen, und die von trockener, unterkühlter Atmosphäre ist, steht eine vollkommen unnütze Blut- und Sperma-Episode über nymphomane Vampire und kurzberockte Schauspieladeptinnen mit großen Titten entgegen, deren Flachheit diametral zu den Proportionen der Figuren darin ist.

Zwischen diesen beiden Extrempolen siedelt sich der Rest der Geschichten an, die sich mitunter satirisch (Vampire im Swinger-Club), mitunter tragisch (Vampire und Kindheitsneurosen) am Thema abarbeiten. Unterm Strich bleiben ein paar handfeste Halloween-Episoden (alle Geschichten spielen am oder um den 3. November), besser als das Meiste, was sonst an Comics zu TV-Serien erscheint, aber selten wirklich herausragend.



Vampire 1
Thema: O'Boys - Thirault & Cuzor
das_Diddy

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O'Boys - Thirault & Cuzor 24.07.2010 14:38 Forum: Alben


von Stefan Pannor

Letztlich wartet auf jeder Kreuzung der Teufel.

Von Tommy Johnson hieß es, er habe seine Seele nachts auf einer Kreuzung dem Teufel verkauft, um den perfekten Blues spielen zu können. Das war in den Dreißigerjahren. Robert Johnson, nicht verwandt mit Tommy, erzählte die gleiche Geschichte von sich, um, fast genau zur gleichen Zeit, seine Musikerkarriere anzukurbeln. Beide gelten als zentrale Figuren des Delta Blues, der schwarzen Musik rund um das Mississippi-Delta.

Das ist der Teufel, den Charley Williams sucht. Blues scheint der einzige Ausweg aus dem Dasein als völlig entrechteter Arbeiter im Süden der USA. Zusammen mit dem jungen Huck Finn macht er sich auf eine Odyssee durch die Südstaaten, von der Polizei gejagt, von den weißen Hobos verachtet, von Huck genervt.

Es ist eine bildprächtige Reise, von endlosen Bahnstrecken und dem gewaltigen Mississippi-Delta. Der Süden der USA, hinterwäldlerisch und heiß, wirkt so exotisch wie die Musik, die in der Geschichte eine zentrale Rolle spielt. Immer wieder besuchen Huck und Charley die „Blues-Shags“, Blueshütten, und natürlich singen auch die Hobos am Lagerfeuer und in den Zügen ihre Lieder. Obwohl der Comic wenig beschönt, vor allem was die Situation der schwarzen Arbeiter der damaligen Zeit angeht, obwohl Gewalt, Rassismus und Armut zentrale Elemente der Handlung sind, ist er doch eine schöne und gelegentlich nostalgische Erzählung.

Auffällig ist die Dichte der Zitate. Huckleberry Finn stammt natürlich aus Mark Twains gleichnamigen Roman, von dem zumindest der erste Band der Serie auch weite Teile der Handlung übernimmt. Die Verlagerung in die Zeit der großen Depression vor Inkrafttreten des New Deal - als Handlungszeit sind die Jahre 1931 bis 1935 angegeben - verweist auf klassische amerikanische Autoren wie John Steinbeck.

Deutlicher als die literarischen ist der filmische Verweis. „O Brother where art thou“ von den Coen-Brüdern findet sich in der Handlung und in den Figuren wieder, am deutlichsten in der Darstellung des Sherriffs, der Huck und Charley verfolgt. Dieser Film - und der ähnlich gelagerte „Crossroads“ - scheint auch Hauptinspirationsquelle der verwendeten Musik gewesen zu sein.

So ist denn „O'Boys“ nicht nur eine farbprächtige Mark-Twain-Hommage, sondern viel mehr noch, wenn auch unterschwelliger, ein Loblied auf den Südstaatenblues und auf Robert Johnson im Besonderen, dessen Lieder an mehr als einer Stelle zu Ehren kommen und zitiert werden und der in Form von Lucius Johnson ein nur gering verstecktes Cameo hat.

Zwei Bände der nicht unbedingt originellen, aber sehr schön gemachten Serie liegen vor. Ob Charley Williams seinen Teufel trifft, und wenn ja, welcher das sein wird, dürfte der abschließende dritte Band aufklären.



O'Boys 1
Thema: Die Neunte Kunst - Blog der Comic Combo Leipzig
das_Diddy

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Die Neunte Kunst - Blog der Comic Combo Leipzig 24.07.2010 14:34 Forum: News & Events


Ganz offiziell geht heute unser Blog an den Start, wo ihr nun immer druckfrische Neuigkeiten über Events, Rezensionen und das Leben rund um die Comic Combo Leipzig bekommt.



Thema: Garulfo - Ayroles & Maiorana
das_Diddy

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Garulfo - Ayroles & Maiorana 20.07.2010 18:55 Forum: Alben


Wie leicht ließe sich diese Rezension mit Allgemeinplätzen füllen! Etwa der hier: Natürlich ist das Gras auf der anderen Seite des Zaunes immer grüner. Für Garulfo ist diese andere Seite des Zaunes die Menschengegend. Denn Garulfo ist ein Frosch, und als kleiner Hüpfer bewundert er die Menschen. Solange, bis er selbst einer wird.

Oder der hier: Die Umkehrung klassischer Märchenmotive im Comic ist nichts Neues, Serien wie „Fables“ (Vertigo, dt. bei Panini) und ihre Ableger beackern das weite Feld regelmäßig. Insofern wäre es ein leichtes, „Garulfo“ als weiteren Mitreiter auf dieser Welle abzutun. Im Kern ist es eine verdrehte Mär vom Froschkönig. Erst will der Frosch ein Mensch sein. Aber als er die Menschen besser kennen lernt, wäre er lieber gern ein Frosch. Nur findet er als wunderschöner Prinz keinen, der ihn küssen - und damit erlösen - will.

Es spricht durchaus für Werke, wenn sie solche Allgemeinplätze beim Kritiker herausfordern. Denn das bedeutet, dass solche Erzählungen etwas sehr Allgemeingültiges ansprechen, hier in diesem Fall eine allgemeingültige Zivilisationskritik (auch wenn der Comic in einer Art Märchenmittelalter spielt). Menschen lügen, betrügen, intrigieren, Sex hat einen viel zu hohen Stellenwert und, ach ja, sie fressen Tiere. Pfui.

So weit, so richtig. Aber auch so bekannt.

Das Besondere an „Garulfo“ liegt tiefer. In Wirklichkeit handelt die Kömodie der Irrungen und Wandlungen, die Ayroles inszeniert (der mit „Mantel und Degen“, einer breit angelegten Hommage an die Comedia dell'arte, bewiesen hat, dass er klassischen Genres neues, komisches Blut infundieren kann), von Identität. Bzw. von der Frage danach, was das eigentlich ist.

Nahezu alle Figuren durchlaufen einen permanenten Wandlungsprozeß, innerlich wie äußerlich. Nicht nur Garulfo, der in den sechs Alben (in dieser Ausgabe auf drei Bände verteilt) mehrmals zum Frosch und zurück verwandelt wird. Sondern auch die schöne Prinzessin Hermina, zu Anfang kaum mehr als ein schönes Betthupferl, oder der eitle Prinz Ronaldo, der, zum Frosch zwangsverhext, natürlich gerade aus dieser, nun ja, Froschperspektive einen ernstzunehmenden Charakter entwickelt.

Und erst damit wird der Slapstick der permanent fallenden, strauchelnden, stürzenden, tolpatschigen und hilflos gegen- und miteinander intrigierenden Figuren interessant. „Garulfo“ reicht weit über die übliche Fantasy-Komödie hinaus, weil ihr eine starke tragende Struktur zugrunde liegt. Und, ach ja, sehr sehr lustig ist dieses überbordend pralle Werk komischer Fantasy auch. Aber das ist eigentlich auch schon wieder ein Allgemeinplatz.

PS: Um Mißverständnisse zu vermeiden - natürlich war „Garulfo“ eher da als „Fables“. Die sechs Alben erschienen zuerst Mitte der Neunzigerjahre in Frankreich, die ersten vier davon auch annähernd zeitgleich beim alten Splitter-Verlag in einer allerdings etwas fragwürdigen Edition, vor allem was das Lettering betrifft. Diese Neuausgabe ist also nicht nur die erste vollständige in deutscher Sprache, sondern auch die erste wirklich gut lesbare.
(stefan pannor)



Garulfo 1 "Vom Regen in die Traufe"
Thema: Coronado - Loustal & Lehane
das_Diddy

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Coronado - Loustal & Lehane 20.07.2010 18:53 Forum: Alben


[...hier geht's zum ersten Teil mit "Elende Helden"]

Beinahe wie ein Gegenentwurf dazu wirkt das neue Album von Loustal, „Coronado“, benannt nach dem gleichnamigen idyllischen Küstenort in den USA. Vierundvierzig Arten von Blau soll es geben, Loustal kennt sie vermutlich alle. Sie stehen, überreichlich eingesetzt in diesem Album, sinnbildlich für die Sehnsucht nach Coronado.

Die Geschichte von Bobby, der aus der Haft entlassen wird und sich zusammen mit seinem Vater auf die Suche nach den Diamanten macht, die er vor der Einfahrt versteckt hat, ist über weite Strecken ein Kammerspiel. Loustal tüncht diese Dialoge, zwischen Vater und Sohn, Gauner und Gauner, Witwer und Halbwaise, zwischen zwei Männern ohne Frau, in Farben, neben denen selbst Technicolor blass wirkt. Ein Seelenstrip in einem permanenten Feuerwerk.

Die Abstufungen knisternden Blaus und flammenden Rots sind atemberaubend, ebenso wie die strenge, klar dem Kino (oder vielleicht doch dem Theater) nachempfundene Seitengestaltung: zwei Bilder pro Seite, klassischer 16:9-Schnitt für dieses Gangstermovie, in dem selbstverständlich niemand je nach Coronado kommen wird. Wir sind hier schließlich nicht in Hollywood.

von Stefan Pannor



Coronado
Thema: Elende Helden - Baru & Pelot
das_Diddy

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Elende Helden - Baru & Pelot 20.07.2010 18:52 Forum: Independent


von Stefan Pannor

Für einen kurzen Moment ist nochmal alles in Ordnung. Die Schulkinder haben der alten Frau auf dem Außenklo einen Streich gespielt. Jetzt rennen sie fröhlich davon. Kindliche Euphorie und Einfachheit.

Bei Baru ist selten alles in Ordnung. Zwar hat er bereits fröhlich-melancholische Kindheitsgeschichten gezeichnet („Die Sputnik-Jahre“). Aber meist geht es bei ihm um sehr erwachsene Themen: Angst, plötzliche Ausbrüche von Gewalt, Neurosen.

Die schlägt sich hier Bahn, als im gleichen Ort ein mongoloides Kind verschwindet. Zwischen den suchenden Ordnungskräften, der am Boden zerstörten Lehrerin, die für das Verschwinden des Kindes verantwortlich gemacht wird, den Schulangestellten und den Dorfbewohnern brechen eine Vielzahl zwischenmenschlicher Fronten auf.

„Elende Helden“ ist eine Geschichte des Scheiterns, erzählt im Gestus der Wut. Das schöne an der Wut: sie ist ökonomisch, rasant und radikal. Jede der gut ein Dutzend tragenden Figuren, die Baru mit unnachahmlicher Ökonomie in die grade mal 70 Seiten Comic quetscht, versagt auf ganz persönliche Weise. Eine Achterbahnfahrt durch die Hölle Alltag. Am Ende bleibt nur der Schnee, der alles zudeckt, selbst die Wut über die Unvollkommenheit der Menschen.
[...hier geht's weiter mit "Coronado"]



Elende Helden
Thema: Held - Flix
das_Diddy

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Held - Flix 17.06.2010 14:18 Forum: Alben


Held

»Held wird man nicht erst,
Held ist man.
An jedem verdammten Tag seines Lebens.«

Eigentlich sind das die letzten Worte, die man in Flix' „Held“ lesen kann, doch sie fassen doch alles recht gut zusammen.
Wem ging es schon einmal so? Man geht in einen Buchladen und steht vor dem Regal mit den Biographien. Das könnte man doch eigentlich auch, oder? Wer kennt denn schließlich das Leben einer Person besser als man selbst? Und hat man nicht so einiges erlebt, was man durchaus aufschreiben könnte?
Das Ganze noch als Comic?
Klar!
Und dann noch weiter gehen? Bis in die Zukunft?
Was?

Flix hat genau das gemacht. Seine Comicbiographie endet nicht einfach im Hier und Jetzt, sondern spinnt noch ein paar Jahre in die Zukunft weiter. Japanisch ersetzt Englisch in der täglichen Alltagssprache, man kauft Strom beim Bäcker und die Haushaltsgeräte reden untereinander mehr miteinander als es einem eigentlich lieb ist. Das alles klingt unglaublich faszinierend, doch das, was „Held“ eigentlich wirklich lesenswert macht, ist nicht das Extreme, das Ausgefallene, sondern der Alltag.

Sympathisch erzählt Flix sein Leben und beschönt es dabei doch nicht. Man erkennt sich in kleinen Situationen manchmal selbst wieder, staunt über andere und ist am Ende ziemlich ergriffen und trägt ein kleines Lächeln mit sich.

„Held“ versucht nicht mit imposanten Bildern zu punkten, sondern nimmt den Leser schlicht und einfach mit auf eine kleine Reise durch das Leben von Felix Görmann, der auf die grandiose Idee kam sein Leben als Diplomarbeit zu zeichnen. Damit hat er nicht nur seine Dozenten an der Uni überrascht, sondern wohl auch jeden, der diesen Comic zur Hand nimmt.
Wer einmal angefangen hat die Werke von Flix zu lesen und sich dafür begeistern kann, der wird wohl auch von seinen anderen Werken beeindruckt sein.
(dv)



Held
Thema: Umfrage zum Onlineshop
das_Diddy

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Umfrage zum Onlineshop 12.06.2010 14:26 Forum: Onlineshop & Produkte


[EDIT]:

Die Umfrage wurde nun beendet. Danke an alle, die teilgenommen haben.
Thema: Animal'z - Enki Bilal
das_Diddy

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Animal'z - Enki Bilal 12.06.2010 14:07 Forum: Alben


Das einzige Genre, in dem der Comic allen übrigen Medien hinterherhinkt, ist ausgerechnet die Science Fiction. Es mag der Einfachheit geschuldet sein, mit der in der Bilderzählung selbst opulenteste Gadgets durch ein paar einfache Striche in die Handlung eingebracht werden können, oder der Tatsache, daß der Comic lange Jahrzehnte in ein Getto der Jugendunterhaltung eingesperrt war. Anders als im Film und der Literatur mangelt es dem Comic jedenfalls an glaubwürdigen und durchdachten futuristischen Entwürfen.

Aus dem Brei der letztlich immer gleichen gezeichneten Raumschlachten und Alienhatzen ragen darum Bilals erdgebundene Science-Fiction-Comics doppelt hervor. Bereits seine „Monster“-Tetralogie, obwohl vollgepfropft mit Klonen, Androiden, Robotern und in einer sowieso durch allerlei futuristische Erfindungen an den Rand des Irrsinns gebrachten Gesellschaft spielend, entzog sich dem rein narrativen Verständnis des Lesers. Bilal erzählte in diesen Bänden keine gradlinige Handlung. Auf rund dreihundert Seiten berichtet die „Monster“-Serie vom Verfall der Zivilisation von innen her, von der grundsätzlichen Auflösung zwischenmenschlicher Bindungen angesichts unbewältigter Vergangenheiten und ungelöster Probleme der Gegenwart.

„Animal'z“ liest sich in diesem Zusammenhang wie ein Nachtrag. Formal eine durchaus typische Endzeitgeschichte – die Menschheit ist aus nicht näher geklärten Umständen verschwunden, übrig geblieben sind nur einige wenige Umherirrende, die sich offenbar bevorzugt auf Schiffen auf dem Meer aufhalten, das Land ist bevölkert von bizarren Mutationen und Monsterzüchtungen – erzählt das Buch doch vor allem metaphorisch verschlüsselt von der Auflösung der Kultur. Dafür stehen jene Überlebenden, die sich sukzessive, aber radikal in Wasserlebewesen wie etwa Delphine verwandeln, sowie der einsame Reiter, der ausschließlich in der Lage ist, sich über literarische Zitate zu verständigen, die er pflichtschuldig samt Quellenangabe angibt. Die Welt als Wille und Wikiquote ist Bilals erschreckende und nüchterne Zukunftsvision, die er schlüssig aus der Gegenwart extrapoliert.

In ihr klingt eine ordentliche Portion der Trostlosigkeit von Truffauts Verfilmung von Ray Bradburys Roman „Fahrenheit 451“ mit, an deren Schluß Menschen als auswendig gelernte Bücher durch den Wald irren. Die einzige Schöpferkraft, die Bilal seinen Akteuren in der im Wortsinne aufgelösten Zivilisation gestattet, dient der Zerstörung der letzten Menschlichkeit – besessene Genexperimentatoren arbeiten daran, die Menschen in Tierlebewesen zu verwandeln, wozu eine einzige Spritze genügt. Das darin letztlich der einzige Ausweg der Übriggebliebenen liegt, vertieft das Tragische der Situation.

Die Bilder sind so ausweglos wie die Handlung. Bilal verwendet ausschließlich Töne von Grau und punktuell Rot, hier vor allem als blutige Farbe von Verderben und Untergang, nicht als erotische Signalfarbe. Die Zukunft der „Animal'z“ ist schlierig und in einen permanenten Nebel der Unklarheit getaucht. Der Umgang mit allen Elementen des Mediums Comic, ebenso wie sein Verständnis der Science Fiction als literarische Metapher, seine literarischen Querverweise zeigen Bilal einmal mehr als zwar schwierigen, aber hochintelligenten Erzähler, der mit seinen Arbeiten weit über der Masse an Science-Fiction-Comics steht. (stefan pannor)



Animal'z
Thema: Die Sandkorntheorie - Schuiten & Peeters
das_Diddy

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Die Sandkorntheorie - Schuiten & Peeters 12.06.2010 14:02 Forum: Alben


Die Comics aus dem Zyklus der „Geheimnisvollen Städte“ zählten schon immer zu den rätselhaftesten Erzählungen überhaupt. Nahezu jeder Band handelt von irrationalen, selten auch nur versuchsweise erklärten Ereignissen in einer meist vollkommen rationalen Welt. Das und der extrem kalkulierte, unterkühlte Strich der Geschichten (neben dem sich Hergé mit seiner „ligne claire“ wie ein wilder Revoluzzer ausnimmt), der in vollkommenem Kontrast zur Irrationalität der Ereignisse steht, machen die Geschichten um obskure Städte, fantastische Stadtplaner und durchgeknallte Städtebauer zu einem schwer kategorisierbaren (und damit auch schwer verkäuflichen) Titel. Oder kurz: diese Comics sind so originell und originär, dass es schlicht keine Schublade für sie gibt. Der Kunde aber braucht seine Schubladen.

Darum wohl erscheint der neueste Band des Zyklus in Deutschland sechs Jahre nach dem letzten, eine atemberaubend lange Zeitspanne, und immerhin drei Jahre nach der französischen Erstveröffentlichung. „Die Sandkorntheorie“ unterscheidet sich in von den vorherigen Bänden, indem der Band Schauplätze, Figuren und Ereignisse aus vorherigen Erzählungen aufgreift. Stand bisher fast jeder Band für sich, verknüpft „Die Sandkorntheorie“ einzelne Ereignisse, deutet Verbindungen über die bestehende Chronologie hinaus an, greift Figurenschicksale auf (und schafft Verbindungen zu unserer, der „realen“ Welt).

Das heißt nicht, dass der Band leichter zu begreifen ist, sofern man die übrigen Reihe kennt. Wie jede Erzählung der „Geheimnisvollen Städte“ bleibt auch diese letztlich rätselhaft. Wieder spielt sie in Brüsel, der hassgeliebten Metropole der Künstler, die damit ein surreal-futuristisches Ebenbild ihrer eigenen Heimatstadt Brüssel geschaffen haben, mit aberwitzigen Hochbahnen, Hochhäusern und charmanten Altstadthäusern, deren Formen und Fassaden sich miteinander verknoten und ineinander über gehen. Im Kern wie immer ein mysteriöses Ereignis. Bzw. sogar mehrere: Sand, der in einer Wohnung auftaucht, Steine, die in einer anderen auftauchen, ein Koch, der so lange an Gewicht verliert, bis der Wind ihn davon zu treiben droht. Ein bizarres Schmuckstück, das nicht loszuwerden ist.

Die Stadtoberen lassen Ermittlungen dazu aufnehmen, während die Stadt im Chaos des zunehmend ganz Brüsel überflutenden Sandes versinkt. Von einer Sandkorntheorie ist die Rede, sie soll die Ereignisse erklären. Der Leser kann nur mutmaßen, was hier gemeint ist. Möglicherweise jene Theorie, dass es mehr Sandkörner auf der Erde gibt als Sterne im Universum? Denn die Geschichte handelt in erster Linie vom Gleichgewicht. So wie Brüsel im Sandchaos versinkt, zerfallen anderswo die Gebäude der Bugtis, eines weit entfernt lebenden Wüstenstammes. Was hier zu viel ist, ist dort zu wenig. Ausgleich muss geschaffen werden.

„Die Sandkorntheorie“ ist mit diesem Ansatz ein verblüffend aktueller Comic, der unterschwellig die aktuelle Nord-Süd-Debatte, den Clash von westlicher und orientalischer Kultur aufgreift. Aber Schuiten und Peeters sind selbst viel zu sehr Architekten, als das ihre Geschichte nicht noch eine weitere Lesart gestatten würde. Nämlich die vom unvermeidlichen Zerfall. Hierfür steht der Sand, der nach und nach Brüsel vollständig zu bedecken droht, der Häuser zum Einstürzen bringt. Der Zerfall sorgt dafür, dass die Einwohner die Stadt nach und nach verlassen. Letztlich, sagen Schuiten und Peeters, zerfällt jedes gebaute Haus, und alle Mühe, das zu vermeiden, ist nur kurzzeitiger Widerstand gegen das Unvermeidliche. (Das ist nicht fatalistisch. In Brüssel, der realen Stadt, mühen sich Schuiten und Peeters um Erhalt und Rekonstruktion eines Hauses des klassischen belgischen Jugendstil-Architekten Victor Horta.)

Der Sand und die Steine sind aber zugleich die Materialien für neue Häuser. „Die Sandkorntheorie“ muss derart metaphorisch gelesen werden, denn eine rational begreifliche Lösung für alle Geschehnisse gibt es nicht. „Die Sandkorntheorie“ ist trotz seiner nüchternen, mit Zirkel und Lineal gestalteten klaren Oberfläche ein zutiefst lyrischer Comic über die Vergänglichkeit und die Dinge des Lebens, dessen Handlung sich nur emotional erschließt. (Stefan Pannor)



Die Sandkorntheorie
Thema: Fräulein Rühr-mich-nicht-an - Hubert & Kerascoet
das_Diddy

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Fräulein Rühr-mich-nicht-an - Hubert & Kerascoet 12.06.2010 13:58 Forum: Alben


Prostitution als Ausbruch aus einengenden Strukturen: schon Bunuel hat in seinem Film „Belle de Jour“ dieses Thema behandelt. Für seine Heldin, gespielt von Catherine Deneuve, ist der Weg ins Bordell ein Ausweg aus den bürgerlichen Verhaltensnormen und einem grundsätzlich als unbefriedigend empfundenen Leben.

Blanche, die Hauptfigur in „Fräulein Rühr-mich-nicht-an“ flieht auch ins Bordell, aber aus einem völlig anderen Grund: ihre Schwester wurde ermordet und sie vermutet den Mörder im Dunstkreis des Etablissements. Außerdem weiß sie nicht, wohin sonst. Die Pointe: sie ist Jungfrau und will es auch bleiben.

Die Geschichte hat verblüffende Ähnlichkeit mit einem Internatsroman. Denn wie auch dort können die Mädchen das Haus nicht oder kaum verlassen, gibt es eine gestrenge Leiterin, spielen die Huren einander zum Teil äußerst gemeine Streiche, gibt es Freund- und Feindschaften und eine Vielzahl individueller Charaktere. Blanche ist darin der Neuling, der die für die Alteingesessenen selbstverständlichen Abläufe stellvertretend für den Leser mit staunenden Augen betrachtet.

Weil diese Ähnlichkeit besteht, gibt es auch die Gefahr der romantischen Idealisierung - zumal die Erzählung in den dreißiger Jahren angesiedelt ist, also kurz vor dem Zweiten Weltkrieg, im sich auf dem Höhepunkt des savoir vivre befindlichen Paris.

Und tatsächlich ist „Fräulein Rühr-mich-nicht-an“ ein Buch, in dem die realen Probleme und Gefahren der Prostitution (Geschlechtskrankheiten, Vergewaltigung, Abhängigkeit und emotionale Verkrüppelung) sowie der historische Hintergrund nur am Rande Erwähnung finden. Der Comic handelt von seiner eigenen Welt, jener des fiktiven, überaus eleganten Bordells. Eine Phantasiewelt: die Mädchen dort sind allesamt hübsch und machen ihren Job ohne darüber zu reflektieren, ja haben offenkundig sogar Spaß an ihrer Tätigkeit. (Ebenso der Zeichner. Mehr als einmal verlieren sich die Bilder in den reizvollen Dessous der Protagonistinnen.)

Dazwischen Blanche, die sich ihre Jungfräulichkeit bewahrt, indem sie zur Domina wird, die aus ihrem Graue-Maus-Kostüm in die Lederkluft schlüpft. Dennoch ist sie keine Deneuve. Sie bricht nicht aus, sie bricht ein - im Wortsinne, gleich zu Beginn der Geschichte, in das Bordell. Zu keinem Zeitpunkt freilich hat sie das Heft des Handelns wirklich in der Hand, immer wird ihr von anderen gesagt, was sie zu tun hat.

So handelt „Fräulein Rühr-mich-nicht-an“ letztlich weder von einer Emanzipation noch von einer Entwicklung der Hauptfigur, auch nicht von einer wirklichen Erkundung der Prostitution oder einem brauchbaren Zeitbild. Eher irritiert betrachtet Blanche die schöne, aber falsche Welt des Bordells, deren ironiefreie Idealisierung und Herunterbrechend auf amüsante, anzügliche Episoden durch die Erzähler mindestens fragwürdig genannt werden muss. (stefan pannor)



Fräulein Rühr-mich-nicht-an 1 "Die Jungfrau im Freudenhaus"
Thema: Und wir träumten von der Zukunft - Brian Fies
das_Diddy

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Und wir träumten von der Zukunft - Brian Fies 12.06.2010 13:54 Forum: Independent


Wo sind die Visionen hin?

In der Tat lässt sich am Comic wie an keinem anderen Medium der Wandel der Zeiten ablesen von einem unbedingten Fortschrittsglauben zu einem hemmungslosen Zukunftsskeptizismus. Aus den einstmals strahlenden Superhelden, den stählernen Raumfahrern der europäischen Abenteuercomics, den alleserfindenden Wissenschaftlern sind in der Regel gebrochene, düstere Figuren geworden. In heutigen Science-Fiction-Comics dominiert das düstere und beklemmende. Nur noch Daniel Düsentrieb kriegt wirklich alles hin.

Brian Fies greift diesen Gedanken in seinem jüngsten Buch auf, indem er in Form einer Bildgeschichte die Entwicklung des Zukunftsglaubens der vergangenen siebzig Jahre nachzeichnet. Fies wurde vor einigen Jahren bekannt durch den Comic „Mutter hat Krebs“, dem realistischen und traurigen Abriss des langsamen Sterbens seiner Mutter in Form von Comicstrips. „Und wir träumten von der Zukunft“ liest sich wie ein positiver Gegenentwurf zu dem tragischen Vorgänger. Auf jeden Fall ist es eine deutlich leichtere, fröhlichere Lektüre.

Fies' erzählende Ich-Figur wandelt sich vom begeisterten Knaben auf der Weltausstellung 1939, wo er erstmals das Wunder des Fernsehens miterlebt, zum kritischen Betrachter, nachdem er ansehen muss, wie die Angst vor der Atombombe, der Vietnamkrieg und das Ende des Wettlaufs zum Mond den Glauben an das Positive moderner Technologien und das Gute im Menschen erschüttern, ohne jedoch den Optimismus und Glauben an den Fortschritt je wirklich zu verlieren.

Unterbrochen wird diese opulent bebilderte und gelegentlich selbstironische Darstellung durch eine Handvoll fiktiver Superhelden-Comics, in denen Fies elegant die dominanten Comiczeichenstile der jeweiligen Epoche von 1939 bis ca. 1970 nachahmt und die vom ewigen Kampf des Raumfahrers Cap Crater gegen seinen Erzschurken Dr. Xandra handeln.

Beide Teile zusammen, die eskapistische Comichommage und die historisch akkurate Darstellung der realen Welt, sollen, so Fies im Vorwort, ein Gefühl dafür vermitteln, wie toll es früher war, an die Zukunft und das Gute in ihr zu glauben. Es sei „eine Streitschrift für eine zunehmend seltenere Form des Denkens“, so Fies.

Möglicherweise ist das das Problem. Fies' Optimismus, wie er vor allem im letzten Kapitel zu lesen ist („In der Welt von morgen werden tausende von Menschen praktisch ständig im Weltraum leben: im Erdorbit, im geostationären Clarke-Orbit und jenseits davon - darunter ganze Familien, deren Kinder noch nie einen Fuß auf die Erde gesetzt haben“, heißt es auf Seite 192), ist schwer nachvollziehbar angesichts realer Probleme wie Klimawandel und der Ungewissheit der Öl-Ressourcen. Fies blendet diese Probleme einfach aus, wodurch Lücken in seiner Argumentation entstehen.

Als Streitschrift ist „Und wir träumten von der Zukunft“ infolgedessen unbrauchbar. Dagegen ist es als Comic eine überaus schöne, ästhetische Erfahrung, nicht nur aufgrund der Versiertheit, mit der Fies die Striche berühmterer Kollegen wie Jack Kirby und Neal Adams nachahmt, sondern auch aufgrund der Leichtigkeit seiner eigenen, karikaturistisch reduzierten Zeichnungen. Ein schönes, jedoch inhaltlich etwas unbefriedigendes Buch. (Stefan Pannor)



Und wir träumten von der Zukunft
Thema: Kunstwerke...oder sowas
das_Diddy

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Buntes Zeuch 21.05.2010 17:05 Forum: Fanarts


Hab was während der Arbeit coloriert. PC-Colo folgt....noch....

Thema: Kunstwerke...oder sowas
das_Diddy

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Noch ne Amazone 21.05.2010 16:00 Forum: Fanarts


Noch ne Auftragsarbeit. ^^
Hier erstmal mit Messingrüstung. Die endgültige Version mit Bronzerüstung kommt noch...
Thema: Pornografie und Selbstmord - Nicolas Mahler
das_Diddy

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Pornografie und Selbstmord - Nicolas Mahler 04.05.2010 18:53 Forum: Independent


Weniger Sexappeal, sagen die Werbeleute, sollten Mahlers Figurenentwürfe haben. Ob er sie denn nicht etwas entschärfen könne?

Man muss Mahlers Zeichnungen gesehen haben, um diese Pointe zu verstehen. Es sind Krakel, Kringel und Kreise, kleine runde Knubbelmännlein mit elipsoiden Zinken, die Mahlers Grafiken bevölkern und unter denen der große, dürre Künstler selbst - denn dies sind autobiographische Comics - herausragt wie ein aufrecht gehender Angelhaken im Vatermörder. Strichmännlein für Fortgeschrittene.

Mahlers Comics sind per definitionem nicht sexy. Überhaupt könnte man sich lange daran abarbeiten, was sie alles nicht sind. Kürzer ist es, zusammenzufassen, was sie sind. Mahler, dieser Verzweiflungsmann, irrt in seinen Geschichten ratlos durch den Alltag wie Alice durch das Wunderland.

Kinderspielzeugausstellungen im Louvre, Nachwuchscomiczeichner, die gleich den fetten Vertrag bei einem großen Verlag landen wollen, Mangafans und Meinungsforscher, sie alle bringen Mahler zur Verzweiflung, und das in der Regel auf acht Bildern und zwei Seiten. Die Hölle, das sind die runderen. Und sie sind überall. Der Begriff vom „schwarzen Humor“ ist eigentlich lange ausgelutscht (auch weil er meist völlig falsch verwendet wird), aber hier trifft er ausnahmsweise einmal zu.

„Pornografie und Selbstmord“ (Reprodukt, 140 Seiten, € 14,00) ist der dritte Band dieser Alltagsdramoletten, die teilweise vorab in der „Titanic“erschienen sind. Die winzigen, destiliert komischen Erzählungen bereichern das Genre der autobiographischen Comics mit ihren oft heulsusigen oder übertrieben selbstironischen Werken um eine einmalige Nuance - die der niemals aufgebenden Verzweiflung.

Weniger verzweifelt fällt „Engelmann“ (Carlsen Comics, 100 S.; € 14,90) aus, schon aufgrund seines Themas. „Engelmann“ ist Mahlers Ausflug in die Welt der Superhelden-Parodie. Natürlich dominiert auch hier die kurze Form. Mahler hat die Geschichte um den erfolglosesten Superhelden der Welt (die Verkäufe seiner Comicserie sind schon vom ersten Heft an im Keller) auf einseitige Episoden heruntergebrochen und dabei ganz verblüffend gut die Trends im Genre des letzten Vierteljahrhunderts zusammengefasst. Düstere, neurotische Superhelden, sinnlose, martialische Actionszenen (die Mahler auch so benennt), billig zusammengeschusterte Verfilmungen von No-Name-Regisseuren.

Die Verzweiflung ist hier versteckter, findet sich hinter zum Teil deutlich plakativerem Humor (etwa wenn „Engelmann“ auf Verlagsanweisung von einer düsteren Superhelden-Serie zu einer Comicserie mit Elfen umgewandelt wird, weil sich das besser verkauft, und auf dem Cover steht „Dieses Heft spielt auf einem Ponyhof“). Es ist eine insgesamt leichtere Lektüre, die sich mitunter vielleicht zu sehr auf mögliche Kenntnisse der Absurditäten des Superhelden-Genres verläßt, um wirklich zu überzeugen.

Aber dann ist es eben doch wieder Mahler. Engelmann ist ein kleiner runder Knubbel in rosa Kostüm - „Sie wollten einen helden ausprobieren, der sich nicht scheut, auch seine weibliche Seite zu zeigen“, wehklagt der Nicht-Held, der so unweiblich aussieht wie nur irgendwas, seinem Kollegen das Leid. Die Werbeleute hätte das vermutlich glücklich gemacht. (stefan pannor)



Pornografie und Selbstmord
Thema: Das Leben rockt - Bryan Lee O'Malley
das_Diddy

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Das Leben rockt - Bryan Lee O'Malley 23.04.2010 13:51 Forum: Comics


Manchmal trifft es einen wie ein Schlag.

Auf Bryan O'Malley trifft das zu. Der kanadische Zeichner hatte bis 2004 ein paar von der Kritik wohlwollend aufgenommene, vom Publikum aber kaum beachtete eigene Comics und Auftragsarbeiten abgeliefert (u.a. „Lost at Sea“, dt. bei Modern Tales). Der Wechsel kam mit „Scott Pilgrim“, einem auf sechs Bände angelegten Projekt, das sich durch Mundpropaganda vom Independent-Hit zum veritablen Bestseller entwickelte, als Film lizensiert wurde und sich daraufhin noch besser verkaufte.

Und auf Scott Pilgrim. Der 23jährige Held der Serie ist sowas wie der letzte Slacker, ein eher antriebslos und etwas realitätsfern durchs Leben gleitender Junge, der in seiner vielen Freizeit in einer Band spielt oder rumhängt. Bis (ja, solche Geschichten haben immer ein „bis“, sonst wären sie langweilig), bis er Ramona Flowers trifft, Amazon-Auslieferin mit Reenee-Frisur und auffallend klobigen Schuhen. Sie ist, im Wortsinn, das Mädchen seiner Träume und Liebe auf den ersten Blick.

Leider auch eine Frau mit Vergangenheit. Um Ramona zu kriegen, muss Scott ihre sieben bösen Exfreunde bekämpfen, verflossene Liebschaften, die sich seit der Schulzeit angesammelt haben und die alles daran setzen, dass Ramona nicht mit Scott zusammen kommt.

Das ist dann „Dragon Ball meets Ghost World“, eine ruppige Action-Geschichte im Gewand und Umfeld bisher eher melancholisch erzählter nordamerikanischer Independent-Titel, wortwitzlastige Screwball-Komödie und komplexe Liebesgeschichte (denn nicht nur Ramona hat eine Vergangenheit).

Der Reiz der Erzählung entsteht aus O'Malleys Vermengung der zwei eigentlich komplett gegensätzlichen Genres. Das kann er nämlich sehr gut. Mit viel Liebe zum Detail gestaltet O'Malley nicht nur die aberwitzigen Kampfszenen aus, sondern auch das soziale Umfeld von Scott, eine etwas seltsame, aber liebenswerte Mischung mindestens ebenso kauziger Außenseiter, Nerds, Randgruppenbesetzer, die Scott in allen Fällen beiseite stehen. Selbst wenn es angesichts der hitzigen, aberwitzigen Wortgefechte mitunter den Anschein hat, als ob sie sich gleich an die Gurgel gehen wollen.

Und so ist „Scott Pilgrim“ nicht nur ein wegen seiner Prämisse außergewöhnlicher Action-Comic, nicht nur eine süße Liebesgeschichte, nicht nur eine witzige Komödie, sondern zusätzlich auch noch ein Loblied auf die Freundschaft. Mehr kann ein Comic eigentlich kaum noch bieten.
(stefan pannor)



Scott Pilgrim 1 "Das Leben rockt!"

Panini, 200 S.; € 12,90
Thema: Kirihito - Osamu Tezuka
das_Diddy

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Kirihito - Osamu Tezuka 22.04.2010 18:07 Forum: Manga & Manwha


Ein Arzt gegen die Welt: der junge Doktor Kirihito wird ausgesandt, um das Rätsel einer geheimnisvollen Krankheit zu lösen, die Menschen in hundeähnliche Geschöpfe verwandelt. Ein kleines Japanisches Dorf ist die Quelle allen Übels. Von dort aus allerdings beginnt er, inzwischen selbst infiziert, eine Odyssee um die halbe Welt. Überall hin, nur nicht zurück - denn in der Heimat hat ihn sein ehemaliger Chef zur Persona non Grata erklärt, weil ihm aus Karrieregründen Kirihitos Forschungsergebnisse nicht behagen.

Um zu verstehen, was das Besondere an „Kirihito“ ist, hilft es, die Hintergründe zu kennen: unter dem Schlagwort „Gekiga“ etablierte sich ab den Fünfzigerjahren vornehmlich in der japanischen Provinz ein Comicstil, der einen erwachseneren und realistischeren Ansatz für Mangas suchte,. Beeinflußt von den Filmen der Schwarzen Serie, den Romanen von Dashiell Hammett, Mickey Spillane und ähnlichen Autoren, waren ihre Comics düster, ruppig und expressiv.

Der Medizin-Thriller „Kirihito“, ab 1970 publiziert, ist die Reaktion des damals überaus erfolgreichen Tezuka auf die jungen Wilden aus der Provinz. Gleichzeitig markiert die umfangreiche Erzählung (800 Seiten) einen Bruch in Tezukas Werk, weg von den bis dahin dominierenden eskapistischen Science-Fiction- und Fantasy-Geschichten (nennenswert hier vor allem „Astro Boy“), hin zu realistischeren Themen. Für den 42jährigen Tezuka ein Neuanfang.

Darum merkt man, dass Tezuka in dem Metier noch nicht ganz Zuhause ist. Wie seine Gekiga-Kollegen zitiert er zwar wild und hemmungslos aus aktuellen Filmen und Klassikern(sofort erkennbar: „Tanz der Vampire“, „The Prisoner“, weniger offensichtlich: „Panzerkreuzer Potjemkin“), baut ein paar verblüffend eindeutige und radikale Sexszenen ein und verschlüsselt das Geschehen teilweise in atemberaubend expressionistische Einzelbilder. (Unfassbar hirnzermatschend: Kirihitos Verwandlungsprozeß zum Hund.) Trotzdem bleibt die Handlung immer ein wenig vorhersehbar, letztlich den Konventionen eines einfachen Abenteuerstoffes verhaftet, wie Tezuka sie vorher produziert hatte. Von der Komplexität der späteren Meisterwerke „Buddha“ und „Adolf“ ist diese Erzählung mit ihrem simplen Schwarz-weiß-Moralschema noch deutlich entfernt.

In Deutschland markiert dieser Comic den zweiten Anlauf (nach „Adolf“, ebenfalls bei Carlsen) zu einer ernstzunehmenden Tezuka-Rezeption. Unter diesem Aspekt ist es völlig egal, was von ihm erscheint, solange dieser große Comickünstler, auf einem Niveau mit Carl Barks und Franquin, hierzulande endlich halbwegs die Aufmerksamkeit bekommt, die ihm zusteht. Selbst ein mittelmäßiger Tezuka (so wie „Kirihito“) ist noch besser als die meisten Comics.
(stefan pannor)



Kirihito 1

Carlsen Comics, 288 S.; €16,90
Thema: Die Abenteuer von Tanguy und Laverdure - Jean Michel Charlier/ Albert Uderzo
das_Diddy

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Die Abenteuer von Tanguy und Laverdure - Jean Michel Charlier/ Albert Uderzo 22.04.2010 18:04 Forum: Alben


Band 1 - Die Schule der Adler

Der gewaltige Schatten von „Asterix“ verdeckt die übrigen Comics von Zeichner Albert Uderzo nahezu völlig. Darunter auch die Serie „Tanguy und Laverdure“ die schon deshalb Beachtung verdient, weil sie zu den wenigen realistischen Comics im Oeuvre des Funny-Zeichners Uderzo gehört. Ab 1959 entstanden diese Erlebnisse zweier Piloten, passend natürlich zum Namen des Magazins ebenfalls in „Pilote“ veröffentlicht, zeitlich parallel zu „Asterix“ und der Indianerserie „Umpah-pah“, ebenfalls von Uderzo. Damit hatte der Zeichner zeitweise fünf vollständig ausgearbeitete großformatige Comicseiten pro Woche abzuliefern und musste Abstriche machen, um dieses gewaltige Pensum zu schaffen.

Überraschenderweise war ausgerechnet „Asterix“ Opfer dieser Selbstbeschränkung. Vergleicht man „Tanguy und Laverdure“ mit den gleichzeitig erschienen „Asterix“-Seiten, wird die Bevorzugung der Fliegerserie offenbar. (Sogar der relativ erfolglose „Umpah-pah“ war ihm damals offenbar lieber als „Asterix“.) Die frühen „Asterix“-Seiten sind häufig routiniert, aber detailarm. Dagegen strotzen die Erzählungen von der Ausbildung des Meisterflieges Michel Tanguy und seines etwas trotteligen Kompagnons Laverdure (der deutlich Oliver Hardy nachempfunden ist) von Beginn an von voll Saft und Kraft.

Ganz klar dabei im Vordergrund: auf- und niedergehende, rasende, schwebende, schlitternde, explodierende, ja überhaupt Flugzeuge, Flugzeuge, Flugzeuge. Uderzos Technikbegeisterung - er recherchierte damals für diese Serie mit Inbrunst auf Militärflughäfen - paart sich mit Einflüssen klassischer amerikanischen Comicstrips wie Milton Caniffs „Terry and the Pirates“ oder Roy Cranes „Buzz Sawyer“, die bereits während des Zweiten Weltkriegs das Sujet der Flieger- und Militärabenteuer ausloteten, und von denen der Franzose vieles in Stil, Schnitt und Darstellung übernahm. Unter den Bedingungen der ausklingenden sechziger Jahre in Frankreich war „Tanguy und Laverdure“ ein optisch hochmoderner Comic auf der Spitze des Zeitgeistes und der grafischen Erzählmethoden.

Heute strahlt der Stern des französischen Zeichners in den Fußstapfen seiner amerikanischen Vorbilder auf diesen Comicseiten doppelt aufgrund der zwar handfesten, aber wenig berauschenden Skripte von Jean-Michel Charlier, die äußerst schlecht gealtert sind. An den Geschichten des Vielschreibers („Blueberry“, „Der rote Korsar“) um feige Flieger und feindliche Agenten fällt heute vor allem ihre Geschwätzigkeit und der unreflektierte Hurra-Patriotismus eines Frankreich auf, das seine wenigen verbliebenen Kolonien und militärischen Auslandseinsätze längst noch nicht hinterfragte. „Tanguy und Laverdure“ ist klar die große Uderzo-Show, ein vor allem grafisch brillanter präpubertärer Action-Comic, eine aufregende Jungswelt - wir sind immerhin beim Militär - voll herrlicher Technik-Spielzeuge in Übergröße.

Gar nicht brillant ist leider die miserable Reproduktionsqualität der jüngst gestarteten Gesamtausgabe. In der schlierigen Darstellung gehen unzählige Details verloren. Mehr als einmal fehlen handelnden Figuren ganz oder teilweise die Gesichter, brechen eigentlich durchgehende Linien ab, verschwimmen Hintergründe zu einer unklaren Pampe. Wo diese Qualität von der des Originals abweicht, wurde der größte Makel der ursprünglichen Edition beibehalten: der beinahe pathologischen Hang zur Farbe Rosa. Rosa Himmel, rosa Häuser, rosa Gebirge, rosa Menschen bieten ein stellenweise surreales Leseerlebnis.

Acht Bände der Serie hat Uderzo gezeichnet, bei einem weiteren hat er noch übergangsweise mitgearbeitet, ehe sein Nachfolger übernahm. Als er die Serie verließ, stieg die Qualität seiner „Asterix“-Zeichnungen sprunghaft an. „Tanguy und Laverdure“ ist ein grafisch mitreißender, wenn auch inhaltlich flauer Abenteuer-Comic, der gerade für „Asterix“-Enthusiasten eine betrachtenswerte Lücke stopft - leider in einer dem Werk nicht völlig gerecht werdenden Edition. (stefan pannor)



Die Abenteuer von Tanguy und Laverdure - Die Gesamtausgabe 1 "Die Schule der Adler"

Ehapa Comic Collection, 160 S.; € 29,95
Thema: Miss Endicott - Derrien/ Fourquemin
das_Diddy

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Miss Endicott - Derrien/ Fourquemin 22.04.2010 18:01 Forum: Alben


Die viktorianische Ära findet im Comic meist nur in romantisch verklärter Form statt. Große Ausnahme bildet hier das sowieso in jeder Hinsicht (Achtung! Wortspiel!) ausnehmende „From Hell“ von Alan Moore und Eddie Campbell mit seinem grimmigen Realismus. Natürlich nicht auf diesem Level, aber immerhin konnte Xavier Fourquemins Fantasy-Story „Die Legende vom Changeling“ im vergangenen Jahr damit punkten, bei der Darstellung des viktorianischen London zumindest einen Hauch Realismus in die Geschichte über Gnome und weißbärtige Magier eingeflossen zu lassen haben.

Gleicher Zeichner, gleiche Ära, gleicher Ort: „Miss Endicott“. die Geschichte einer sogenannten Schlichterin, die den Job von ihrer verstorbenen Mutter übernimmt und vor allem Nachts an den Behörden vorbei inkognito für Ruhe in London sorgen soll. Weil das keine Frau ernährt, übernimmt sie tagsüber eine Tätigkeit als Gouvernante. Eine Superhelden-Geschichte also (ähnlich dem jüngst erschienenen „Thanatos“) in franko-belgischem Gewand, mit Geheimidentität und nächtlichen Rettungsmissionen, mit einem Superschurken, einer irren Maschine zur Welteroberung oder -vernichtung und Totgeglaubten, die nicht tot sind.

Grafisch ist das dagegen wie gehabt sehr französisch. Sichtlich hat sich Fourquemin für die zwei umfangreichen Alben weiterentwickelt. Die klaren Linien und graden Häuser des „Changeling“ sind den verschrobenen Gebäuden und verzerrten Perspektiven gewichen, wie sie vor allem sein Kollege Christophe Blain benutzt - von dem hat Fourquemin auch die Nasen seiner Figuren.

Den Realismus des „Changeling“ erreicht Fourquemin damit nicht, will er vielleicht auch gar nicht. Denn die grade mal zwei Alben lange Erzählung ist vollgestopft mit mindestens einem halben Nebenplots und einem ganzen Dutzend handlungsrelevanter Figuren. Daran scheitert die Miniserie auch: was sich zu Beginn noch angenehme dicht und temporeich liest, wirkt mit zunehmendem Handlungsfortschritt (und immer weiteren hochgetürmten Handlungselementen) vor allem in der zweiten Hälfte überfrachtet. Spätestens zum Finale kracht dieses wahnwitzige Konstrukt (rebellische Zwerge, ein ausgebüchster Junge und ein verliebter Penner kommen auch noch vor) ähnlich fatal zusammen wie London selbst unter den Plänen de gierigen Oberschurken. Der ist ... aber nein, das ist dann noch ein Plotelement zu viel. Weniger wäre mehr gewesen, und die Bilder sind zwar schön, aber der Realismus wird schmerzlich vermisst.
(stefan pannor)



Miss Endicott 1 "Die Vergessenen"

Piredda-Verlag, 2 Alben á 80 S.; jeweils € 19,50
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